Music Crew

Komponist gesucht ... und die ganze Musik Crew dazu

Oftmals liest man in Inseraten "Komponist gesucht". Die wenigsten Menschen wissen, dass die Arbeit für einen Komponisten dann getan ist, wenn er Noten zu Papier gebracht hat. Die Aufgabe eines Komponisten ist es Musik zu komponieren und in einer Papierform für Interpreten, also denen die die Musik spielen, vermittelbar zu machen. Viele Menschen vermuten nicht, dass sehr viele Personen an einer Musikaufnahme beteiligt sind. Das folgende Essay soll vermitteln, dass oftmals mehr als 100 Musiker und Techniker nötig sind um eine Musikaufnahme zu realisieren.

Der Komponist

Der Komponist Beethoven

Der Komponist ist Erschaffer von Musik, ein Ingenieur der Töne, ein Künstler. Er ist dazu ernannt worden Gefühle die in einem Menschen stecken auf Papier in Form von Noten zu bringen. Der Komponist ist so wichtig, dass man sich nur vor die Augen halten muss, wie eine Welt ohne Musik sein würde. In Völkern wie Indien ist ein Komponist ein Mensch, der die Gabe besitzt mit dem Gott zu kommunizieren. Was macht also einen so besonderen Menschen bei der Arbeit aus?

Ein Komponist erhält meist vom Auftraggeber die Anforderungen was für eine Art Komposition entstehen soll. Es wird die Musiklänge, die Musikstimmung und das Gefühl im Musikwerk erklärt. Zusätzlich wird vereinbart für wie viele Instrumente die Partitur geschrieben wird.

Aus all diesen Informationen muss der Komponist versuchen eine Grundstimmung für diese Auftragskomposition zu erhalten. Dazu geht er im Wald oder am Fluss spazieren, trifft seine Freunde, macht etwas Verrücktes und bekommt so eine Eingebung für das Schreiben der gewünschten Komposition. Meist arbeitet der Komponist mit Hilfe seines Lieblingsmusikinstruments, dem Klavier. Ebenso kann aber ein Komponist auch an der Gitarre, an der Orgel oder mit einer Flöte komponieren. Seine musikalischen Ideen schreibt der Komponist Notenpapier und arbeitet Ideen nach und nach zu einer vollständigen Partitur zusammen. Diese Arbeit kann nur Stunden, manchmal aber auch Wochen und Monate dauern da das Schreiben von Musik mit keiner Büro- oder Fließbandarbeit vergleichbar ist.

Die vom Komponisten erstellte Partitur enthält Noten die von jedem Musiker als einheitliche Sprache verstanden werden. Sie enthält neben Noten auch Dynamikzeichen, Artikulationen, Tempoangaben und viele weitere Zeichen. Sucht man also nach einem Komponisten, erhält man von ihm also eine unbeschreibliche Partitur die von jedem Musiker hörbar gemacht werden kann.

Die Honorare fallen für einen Komponisten höchst unterschiedlich aus. Schreibt er ein Stück für ein Solo Instrument ist der Aufwand geringer als das Komponieren für ein Orchester mit Chor. Musikwerke sind patentrechtlich geschützt und fallen unter das Urheberrecht. Da Musik heutzutage nicht mehr nur Live gespielt wird, sondern auf Medien konserviert wird, entstand zu diesem Zwecke zu Beginn der zwanzigsten Jahrhunderts die Verwertungsgesellschaft Gema. Richard Strauss gilt als Urvater der Gema. Die Gema ist eine Art Kontrollorgan, das die Rechte der Komponisten wahrnimmt und vertritt. Sie vergibt Spiellizenzen an Orchester, an Presswerke für CDs oder auch an Radiostationen und an Fernsehanstalten. Ebenso erhält der Auftraggeber eine Lizenz, wenn er die Aufführung einer Orchesterdarbietung eines Komponisten aufnehmen möchte und als CD oder MP3 vertreiben möchte. Mit jeder verkauften CD dieser Aufnahme, erhält der Komponist sogenannte Tantiemen. Wie kann man sich Tantiemen vorstellen? Wenn man in den Laden geht und eine Kaffeemaschine kauft, dann bekommt der Ingenieur, der das Design dieser Kaffeemaschine erschaffen hat etwas vom Verkaufspreis zurück. Ebenso bezahlt man eine Lizenz an Softwareunternehmen die patentrechtlich geschütze Software vertreiben. Diese Lizenzen sind eine Art Dankeszahlungen. Es sind Dankeszahlungen, dass man Kaffee statt Wasser trinken kann, es sind Dankeszahlungen, dass man Software wie Acrobat oder Cubase nutzen darf, sonst würde man noch weit entfernt unserer heutigen Zeit sein.

Das gleiche Prinzip gilt auch für den Komponisten und seine Tantiemen. Damit der Mensch in der Welt nicht wahnsinnig wird, bezahlt er mit dem Kauf einer CD oder mit einem Konzertbesuch einen Tribut, die Tantiemen.

Musik ist für viele Menschen wie der Seelentröster oder ein Stimmungsmacher. Ist jemand gestorben oder wurde man verlassen, hilft uns die Musik über die Runden zu kommen. Genauso ist es, wenn man sich verliebt. Das Lied bei dem man mit seiner neuen Freundin in der Disko das erste Mal tanzt ist "das gemeinsame Lied". Der Komponist ist also der wichtigste Mensch in der Entstehung der Musik, denn ohne ihn würde es keine Schallplatten, CDs, DVDs oder MP3 geben. Lebe nur 2 Wochen mit Ohropax und Du wirst wissen wie wichtig Musik ist.

Honorar:

ab 120€ die Minute, durchschnittlich 2.500€ für ein sinfonisches Werk und 4.000€ bei Orchesterwerken mit Chor. Zusätzlich werden Tantiemen fällig

*) Honorare  basieren auf  WDR-Hörfunkrichtlinien und Richtlinien der Bundesverbände

Die Interpreten

Interpret - Violine

Hat ein Komponist ein Musikwerk geschaffen, so ist diese Partitur vollkommen leblos. Es ist wie ein Drehbuch zu dem es keinen Film gibt. Man benötigt für das Hörbarmachen von notierter Musik sogenannte Interpreten. Ein Interpret singt oder spielt ein Musikinstrument. Musikinstrumentengruppen sind beispielsweise Holzbläser, Blechbläser, Saiteninstrumente, Streichinstrumente oder Schlaginstrumente. Interpreten lernen jahrelang, manchmal fünf Jahre oder mehr, um ein Musikinstrument perfekt spielen zu können. Dabei lernen sie lernen nicht nur das Notenlesen einer Partitur, sondern lernen auch, wie man besonders leise, besonders laut, wie man mit Gefühl, mit Aggressivität oder mit Liebe spielt. Ein Interpret macht also die Musik hörbar. Gäbe es also keine Interpreten, so würde man in den Musikladen gehen, eine Partitur kaufen und müsste sich die geschriebene Musik im Kopf hörbar machen.

Stellen Sie sich vor, dass ein Komponist ein Musikwerk geschrieben hat, das für 100 Interpreten geschrieben ist. Darunter fallen vielleicht 60 Streicher und die übrigen 40 Interpreten verteilen sich auf die Bläser, die Schlaginstrumente, 1 Klavier und 2 Harfen. Nun nimmt man dieses Musikwerk in einem Konzertsaal auf und spielt es eine Woche lang bis letztendlich 60 Minuten Musik aufgenommen wurden. Für diese Arbeit erhält jeder Interpret ein Durchschnittshonorar von 750€ für diese Woche. Summiert man diese Beträge so ist ein Orchester in einer Woche 75.000 Euro wert. Für den Auftraggeber, der eine Musik CD mit dieser Aufnahme produziert ist dies eine Menge Geld, aber für jeden Interpreten sind 750€ in der Woche ein geringer Lohn, denn er muss als Freiberufler allein die Kosten für die Krankenausfälle und Schäden zahlen, muss die Instandhaltung seines Musikinstruments bezahlen und muss von dem verbleibenden Geld auch noch leben. Allein 20% davon fallen dem Interpreten an Beiträgen an den DRB an. 750 Euro hört sich viel an, aber nach allen Abzügen bleiben ihm ca. 9 Euro Stundenverdienst übrig. So mancher Verkäufer bekommt da wahrlich mehr. Um dieses Geld etwas aufzubessern bekommt der Interpret eine Art Tantiemen von der GVL, der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Wie viel dies ist, hängt immer von dem Honorar ab, das er erhält.

Wochensatz:

mindestens 750€, meist jedoch mehr

Der Dirigent

Der Dirigent

Spielen 100 Interpreten ein Orchesterwerk zusammen, können sie sich nicht mehr koordinieren. Der Dirigent ist die leitende Figur die es schafft, dass alle Streicher zeitgleich einsetzen, dass die Becken nicht zu laut gespielt werden und das das nötige Gefühl auf den Zuhörer übertragen wird. Spielen so viele Interpreten miteinander, dass sie sich nicht mehr im Kreis hinsetzen können oder sich nicht mehr mit Kopfnicken absprechen können, ist ein Dirigent die wichtigste Person im Konzertsaal. Eine Ausbildung zum Dirigenten dauert mehrere Jahre. Er selbst kennt alle Musikinstrumente und deren Art zu spielen. Er setzt sich lange Zeit vor einer Generalprobe mit der Partitur auseinander, markiert Einsätze, markante zu spielende Stellen, schafft Subgruppen und Obergruppen und fügt die Informationen zu einem einheitlichen Werk wieder zusammen. Wird Filmmusik von einem Orchester eingespielt muss er nicht nur das Orchester dirigieren, sondern perfekt auf das Bild die Einsätze an das Orchester weitergeben.

Tagessatz:

ab 300€, generell aber ab 500€

Der Arrangeur / Der Orchestrator

Hat man vom Komponisten eine Klavierpartitur eines Musikwerkes und möchte dieses mit einem großen Orchester aufführen, dann wird die Hilfe eines Arrangeurs bzw. Orchestrators benötigt. Er  arrangiert  das Musikwerk neu und setzt es zu einer neuen Einheit zusammen. Meist besitzt der Arrangeur die gleichen Kenntnisse wie ein Orchestrator. Beide besitzen ein Verständnis davon  wie Musikinstrumente zusammen klingen und welche Instrumente klanglich nicht zusammenpassen. Es dauert manchmal Wochen, bis eine Partitur umgeschrieben wurde und oftmals sind direkt während der Musikaufnahme noch Änderungen nötig, sodass bei einer Aufnahmesession ein Arrangeur und Orchestrator stets anwesend sein sollte.

Pro Titel:

durchschnittlich 300€

Der Konzertsaal

Konzertsaal

Musik kann man nicht eben mal auf einem Sportplatz aufnehmen oder in der U-Bahn aufnehmen. Neben vielen Störgeräuschen würde die Musik im Nichts verschwinden und die Mikrofone würden mehr Rauschen als Musik aufnehmen.

Für die Miete eines Konzertsaals sollte man 1.000€ kalkulieren. Zwar wird Strom, Licht und die sanitären Einrichtungen vom Haus aus gestellt, man sollte aber davon ausgehen, dass man sein eigenes Equipment für die Aufnahme mitbringen muss. Ein guter Konzertsaal ist allemal sein Geld wert. Er hat die nötigen akustischen Voraussetzungen damit die aufgenommene Musik gut klingt. Meist ist ein Konzertsaal mit guten Hölzern und Stoffen so ausgestattet, dass alle Frequenzen einer Musikaufnahme gleichmäßig verteilt werden und die ideale Basis für eine gute Aufnahme bilden. Zusätzlich ist es wichtig, dass der Raum gut klingt, da sich unsere Ohren an bestimmte Klänge von Räumen so gewöhnt haben, dass sie genau merken, wann eine Musik im Computer und eine andere in einem Saal aufgenommen wurde. Daher ist die Investition eines guten Konzertsaals für eine Musikaufnahme unentbehrlich.

Miete:

durchschnittlich 1.000€

Der Toningenieur

Digitales Mischpult mit Multitouch

Wird Musik in einem Konzertsaal oder in einem Musikstudio aufgenommen kann man nicht einfach ein Mikrofon in die Mitte des Raumes platzieren und die Aufnahme starten. Nicht nur, dass das Resultat eine langweilige Monoaufnahme ergibt, sondern auch, weil es mitunter Musikinstrumente gibt, die so fein und zart gespielt werden, dass der Klang nie das Mikrofon erreicht, da neben ihm das französische Horn sitzt und wuchtige Staccatoklänge ins Mikro pustet. Hier muss der Toningenieur seine Arbeit verrichten. Er misst des Aufnahmeraum aus, entscheidet wo welcher Interpret mit dem zugehörigen Musikinstrument sitzen soll, besorgt die nötigen Mikrofone für die verschiedenen Musikinstrumente und platziert diese so in den Raum, dass alle Musiksignale, die in das Mikrofon gelangen auch am Mischpult so ankommen, dass es gut klingt. Zusätzlich stellt ein Toningenieur die richtigen Lautstärken einzelner Musikinstrumente am Mischpult ein. Er überprüft, ob es keine Verzerrungen gibt und korrigiert mitunter nochmal Mikrofonpositionen, wenn zu viele andere Störgeräusche an einem Mikrofon vorliegen.

Wochensatz:

mindestens 700€, meist jedoch mehr

Die Technik

Effektprozessoren im Rack

Bei fast 100 Interpreten braucht man fast 100 Mikrofone. Wenn man davon ausgeht, dass ein gutes Mikrofon mindestens 300€ kostet, ist es verständlich, dass es viele Firmen gibt, die Musiktechnik verleihen. Man braucht neben 100 Mikrofonen mindestens die gleiche Anzahl an Kabeln, Weiterhin werden Verstärker, Mischpult, AD/DA-Wandler, Soundkarten, Preamps, Kompressoren und viele weitere technische Geräte benötigt. Die Preise variieren sehr von dem, was man haben möchte. Man sollte sich aber nichts vormachen und von mindestens 3.000 € für den Verleih von Technik für eine Orchesteraufnahme ausgeben.

Mietpreis ist sehr von der gewollten Qualität abhängig

Der Tonmeister

Mikrofon

Der Tonmeister sitzt während und auch nach der Musikaufnahme am Mischpult und kontrolliert, ob alle Signale, die vom Mikrofon aufgenommen wurden, so klingen, dass man sie im späteren Verlauf mit den anderen Klängen des Musik zusammenmischen kann. Der Tonmeister kennt sich nicht nur mit der Bedienung des Mischpults aus, sondern besitzt viele musikalische Kenntnisse um dem Dirigenten oder auch den Interpreten zu erklären warum eine Aufnahme noch einmal wiederholt werden muss oder wann etwas speziell für eine Aufnahme gespielt werden muss, da es sonst auf der CD unhörbar wäre. Der Tonmeister ist das wichtigste Bindeglied zwischen dem Produzenten, dem Dirigenten, den Interpreten und dem Toningenieur. Neben viel Erfahrung, die ein Tonmeister mitbringen muss, sollte man ihn besser seine Arbeit in Ruhe ausführen lassen, da er einen sehr anspruchsvollen Job hat.

Wochensatz:

mindestens 700€, meist jedoch mehr

Der Musikproduzent

Mischen eines Musikwerks

Der Musikproduzent kann als Regisseur bezeichnet werden. Er entscheidet, wann eine Aufnahme lauter klingen soll, etwas Schneller gespielt werden muss oder wenn die Bläser für einen Musikteil doch entfallen müssen. Somit trägt der Musikproduzent die größte Verantwortung bei der Entstehung einer Musikaufnahme. Meist wird dem Musikproduzenten die Aufgabe auferlegt die Kosten einer Aufnahme im Auge zu behalten. Er bekommt ein Budget gestellt und muss alle Crewmitglieder, die Technik und die Aufnahmeräume bezahlen. Um die Kosten im Rahmen zu halten muss man meist Abstriche im Orchester machen, mietet sich einen kleineren Aufnahmesaal oder entscheidet sich einige Musikinstrumente durch Computer zu simulieren, da dies kostengünstiger ist. Egal wie der Musikproduzent die Entscheidungen trifft, er steht für das Produkt, das am Ende steht.

Wochensatz:

mindestens 600€, meist jedoch deutlich mehr. Zusatzgage bei Produzenten mit Status

Fazit

Wie Sie sehen gehört es sehr viel mehr dazu, als nur einen Komponisten zu engagieren. Auch wenn der Komponist heutzutage zum Leguan mutieren muss, da er auch Interpret und Produzent ist, sollte man nicht vergessen, dass erst eine Musik Crew eine Musik mehr Wert verleiht. Immerhin ist man auch nicht da angekommen, dass ein Produzent gleichzeitig Regisseur, Kameramann, Beleuchter, Schauspieler und Setrunner ist.